" Fit für´s Handwerk" 

eine Aktion der Handwerksjunioren Rhein-Main

Fit für´s Handwerk – Eine Initiative der Handwerksjunioren Rhein-Main

 

Unter dem Motto "Fit für's Handwerk" steht die Initiative der Junioren des Handwerks an der Handwerkskammer Rhein-Main zum Gesundheitsmanagement im Klein- und Mittelbetrieb. Ausgangspunkt waren medizinische Untersuchungen an jungen Berufseinsteigern in den Bildungszentren der Handwerkskammer Rhein-Main, die erschreckende Zahlen zur gesundheitlichen Verfassung dieser Altersgruppe offenbarte: 80 % litten an Rücken­schmerzen, bei mehr als 30 % waren Frühphasen zukünftiger Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes melitus 2 (Alterszucker) nachweisbar.

Bereits auf dem 'Renntag des Handwerks' 2008 in Frankfurt a.M. machten die Handwerksjunioren dies zum Thema und informierten die Besucher. Am 17. März 2009 veranstalteten sie mit der "Europäischen Gesellschaft für Präventivmedizin" und der Handwerkskammer Rhein-Main eine Informationsveranstaltung zur aktuellen Gesundheitslage und zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Vortragende Referenten waren Dr. med. Thomas Konrad (Wissenschaftlicher Leiter des "Institutes für Stoffwechselforschung Frankfurt" und Vertreter der "Europäischen Gesellschaft für Präventivmedizin e.V."), Ass. Jur. Klaus Kapelke (Hauptgeschäftsführer der Innung des Kfz-Gewerbes) und Jacqueline Franke (Dipl. Gesundheitswirtin am ITB).

Die erste Vorsitzende des Juniorenkreises Sabine Kraus begrüßte Referenten und Teilnehmer an der Veranstaltung, unter ihnen auch Vertreter des Vorstandes der HWK Rhein-Main. Hauptgeschäftsführer Dr. Christof Riess betonte in seinem Grußwort den hohen Wert der Gesundheit für ein glückliches und zufriedenstellendes (Arbeits)leben.

Die Referenten waren sich einig, dass es ohne ein verändertes Bewusstsein für die Gesundheit schon in den nächsten Jahren immer weniger Jugendliche geben wird, die den Anforderungen eines beruflichen Alltags im Handwerk gewachsen sein werden.

Dr. Konrad stellte in seinem Vortrag sehr eindrucksvoll dar, wie sich aus dem Teufelskreis fehlender Bewegung, falscher Ernährung, daraus resultierender Fettleibigkeit, bei vielen noch verbunden mit Rauchen, ein Krankheitsbild entwickelt, das früher in dieser Altersgruppe nahezu unbekannt war. Die bereits in jungen Jahren vorhandenen Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen werden auch zu einem gesellschaftlichen Sprengstoff, da er zu frühzeitiger Arbeitsunfähigkeit und einer um ca. 15 Jahre verkürzten Lebenserwartung führt. Er zeigte auch auf, dass die Kosten für Folgeerkrankungen aus diesem Fehlverhalten  explosionsartig ansteigen werden und durch die falsche Signalsetzung der aktuellen Gesundheitspolitik noch verstärkt werden. „Vor  40.000 Jahren wurde eine Genanlage festgelegt, die auf die Gewohnheiten der Jäger und Sammler abgestimmt war. Diese Anlage hat sich nicht verändert, und so kann der Körper die sich ändernden Lebensgewohnheit des modernen Menschen nicht verarbeiten und reagiert mit Fettleibigkeit und allen sich daraus ergebenden Erkrankungen.“

Ass. Jur. Klaus Kapelke bestätigte Konrads Untersuchungsergebnisse durch eigene Beobachtungen an der Landesfachschule der KFZ Innung Frankfurt und Main-Taunus-Kreis. Um einen Beitrag gegen die zunehmende Verschlechterung des Gesundheitsstands der Auszubildenden zu leisten, wurde dort das Programm "Azubifit" ins Leben gerufen. Hier wird im Rahmen der ÜLU nicht nur theoretisch über die richtige Gesundheitsvorsorge und Suchtbekämpfung informiert, sondern die Auszubildende erhalten auch Trainingsmöglich­keiten für Entspannungsübungen und Rückenschulung. Damit will man Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln und den zukünftigen Gesellen die Mittel und Techniken an die Hand geben, die im Berufsalltag Anwendung finden können. Denn, so Kapelke: „Die Auszubildenden von heute sind die Meister und Betriebsinhaber von morgen.“

Frau Jacqueline Franke zeigte auf wie schwierig es ist, Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb einzuführen. Mit dem „ NOAH Projekt " hat das ITB erfolgreich 10 Handwerksbetriebe unterschiedlicher Gewerke zu einem Netzwerk zusammen geführt. Keiner der Betriebe hatte bislang Maßnahmen zum Arbeitsschutz und zur Gesundheits­förderung ergriffen. Nun dient der regelmäßige, direkte Erfahrungsaustausch unter Leitung eines „Kümmerers“ vom ITB dazu, diese selbst zu erarbeiten und dauerhaft im Unternehmen zu etablieren. Denn nur der direkt auf den Betrieb zugeschnittene Arbeits- und Gesundheitsschutz wird auch nachhaltig verfolgt und immer wieder verbessert.

In der anschließenden angeregten Diskussion zwischen Referenten und Zuhörern wurde deutlich, dass Verhaltensänderungen bei Ernährung und Bewegung nur schwer und oft gar nicht zu erzielen sind. Dr. Konrad mahnt, dass solch fehlerhafte Prägungen bereits in frühester Kindheit erfolgen und danach nur schwer zu korrigieren sind. Entscheidend ist für ihn die richtige Erziehung zur Gesundheit in Familie und Kindergarten. Die Kindergärten müssten viel besser ausgestattet sein und diese Erziehung auch als ihre Aufgabe begreifen. Er empfiehlt den Kammern symbolische Patenschaften mit Kindergärten einzugehen, damit das Handwerk auch in Zukunft noch Auszubildende findet, die "Fit für's Handwerk" sind !

Infos zu den Projekten:

www.noah-projekt.de, www.azubifit.com

www.stoffwechselforschung.eu

www.e-s-p-m.org